Citroën CX 25 GTi Turbo: C´est démon!
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Neueste Forschungen ergaben: CX-Liebe ist erblich!
von Julius Goldmann
E s begann 1977. Mein Herr Vater hatte die Führerscheinprüfung erfolgreich abgeschlossen. Ich selbst betrat erst sieben Jahre später die Bühne des Lebens. Erzählungen zufolge erwies sich die Suche nach einem passenden Auto für ihn als schwierig, denn es sollte geräumig, elegant und vor allem komfortabel sein. Bis heute gibt es in unserer Familie einen CX-Prospekt von 1977, der oft und gerne durchgeblät-
tert wurde. Zum Kauf des idealen Autos kam es damals aus Kostengründen allerdings noch nicht.

Um das Verlangen dennoch zu stillen, gab es als Trost den kleinen Bruder: einen geranienroten GS Spécial mit brauner Cordausstattung, der meine Eltern einige Jahre treu befördert hat. Bis eines Tages, und das hat meine Mutter bis heute nicht vergessen, nach einer großen Inspektion in einer hiesigen Citroën-Werkstatt, die lange aufgelöst ist, aus dem Armaturenbrett gelblich-weißer Rauch quoll, der die Bordelektronik und die Sicht auf die Straße negativ beeinflusst haben soll. Trotzdem tat der Wagen noch bis zum Anfang der 80er Jahre seinen Dienst, bis eine erfolgreiche TÜV-Prüfung wegen übermäßiger Eisen-Oxidation nicht mehr möglich war. Danach brachten Fiat-Modelle meine Eltern jahrelang von A nach B. Irgendwann reichten sie meinem Herrn Papa nicht mehr aus, und Anfang 1983 wurde das allerneueste CX-Modell bei Citroën Rüthlein in Würzburg bestellt: Lieferzeit mindestens sechs Monate. Spielereien waren finanziell nicht drin, es wurde ein CX RD Turbo ohne Extras. Warum als Farbe "Saharabeige“ gewählt wurde, weiß bis heute niemand, auch mein Vater nicht. Als das Auto Ende 1983 beim Händler war, gab es mich etwa drei bis vier Monate, allerdings noch nicht von dieser Welt. Neuesten Erkenntnissen zufolge haben mich die Fahrten im CX im Zustand des Fötus und Embryos bereits CX-infiziert. Nach meinen ersten Atemzügen und dem Verlassen der Gynäkologie wurde ich, bevor ich das traute Heim meiner Erzeuger erblicken durfte, erst einmal in diese beige, flache Flunder gesteckt. Die muß sich dann mit mir leise schaukelnd in Bewegung gesetzt haben. Dieses frühe Erlebnis hat sich vermutlich tief in mein Gehirn eingebrannt. Einen Psychologen habe ich deswegen noch nicht aufgesucht. Jeder hat schließlich seine Traumata und daraus resultierende Suchten bereits im frühen Kindesalter einprogrammiert bekommen.So kannte ich bis zu meinem 10. Lebensjahr kein anderes Fahrverhalten als das des CX de mon père (et de ma mère, pardon maman!).
Was mir noch in Erinnerung blieb, ist eine unbändige Freude über ein blaues helles Licht am Armaturenbrett. Das anzumachen, bettelte ich meinen Vater des öfteren an, was er aber nur selten tat. Warum und wieso das bei Fernlicht nicht immer möglich ist, ist mir inzwischen klarer geworden. Auch kann ich mich an eine Fahrt im tiefsten Winter erinnern, als man mir in meinen Kindersitz Mandarinen zum Essen reichte auf einer langen Fahrt zu meiner Oma, immer an der Zonengrenze entlang und ziemlich langweilig. Irgendwann und -wie stellte ich fest, daß direkt an der hinteren Fensterscheibe ausgedrückter Mandarinensaft sofort zu wunderschönen Eisblumen gefror, die herrliche Muster auf der Scheibe ergaben. Wieso um Himmels Willen hat mein Vater sich damals so aufgeregt? Mein Gott, ist doch nichts dabei, sieht doch gut aus, oder? Heute bin ich derjenige, der seinen Vater ermahnt, wie und womit er den Lack der CX behandeln soll und er ja aufpasst, daß nichts drankommt.
Zurück zum damaligen CX RD Turbo. Als ich so etwa 7 Jahre alt war, fiel wohl die erste Stoßecke dank Korrosion ab, wurde aber irgendwie wieder befestigt.
Damals schon hatte ich ein reges Interesse am Unterboden des CX, der mir bis dahin unbekannt war. Als die Grundschule hinter mir lag, hatte auch das Auto mit seinen inzwischen elf Jahren und kapp 300000 km seine besten Zeiten hinter sich. Nachdem meinem Vater aber der XM wegen der
Citroën CX RD Turbo · Baujahr 1983
Citroën CX RD Turbo · Baujahr 1983
Citroën CX RD Turbo · 1983

Alle Fotos: Julius Goldmann

Federung nicht zusagte, wurde es ein Mitsubishi und der CX wurde für 1000 DM an einen Liebhaber aus dem Nachbarort verkauft. Mein Vater mußte mich damals wochenlang trösten, Bilder zeigen und mich von einem Citroën-Händler zum nächsten fahren, immer die Pocket-Agfa-Rollfim-Kamera im Anschlag, falls dort oder während der Fahrt dorthin ein CX zu sehen sei. Nach einiger Zeit klang das Virus dann ab. Ich glaube, die Medizin hieß Gymnasium, Lateinvokabeln, Pythagoras und pubertierende Mädchen. 1999 fegte dann ein Orkan über unser geliebtes (und verhasstes) Frankenland. Die Scheune, die
Citroën CX RD Turbo · Baujahr 1983
CX-Wrack nach Orkanschaden · 1999
unser früheres Auto in Saharabeige unter ihren zusammenstürzenden Trümmern begrub, verhindert das magische Überschreiten der 1-Million-Km-Marke um 50000. Dieses jähe Ende und den verpatzten Rekord hat der letzte Besitzer bis zu seinem Tod immer wieder beklagt. 

Die Zeit verging, ich wurde 17 Sommer alt, fing mit dem Führerschein an und es gelang mir, denselben mit 17 ½ auf einem 3er Golf zu erlangen. Welch Pech, daß mein Vater sich meiner alten Liebe CX erinnerte und auf der Suche nach einem passenden Anfängerauto für mich bei unserem alten Händler einen CX TRD Turbo 2 stehen sah, der eigentlich zum Schrott sollte, der aber mit 500 DM für mich gerade erschwinglich war. An die erste schweißtreibende Fahrt kann ich mich noch gut erinnern: seltsame Lenkung, seltsame Bremse und ständig dieser Dachhimmelbezug samt Schaumstoffbröseln auf den Haaren, die sich am oberen Ende meiner 1,86 m befanden. Die allererste Fahrt führte uns nach Paris und wieder zurück, und das sehr zuverlässig. Trotzdem konnte dieses schöne Auto nicht so bleiben. Dachhimmel kleben, andere Sitze, Lack ausbessern, Birnchen wieder in Gang bringen. So fing die CX-Krankheit an, sich nach und nach auszubreiten. Ein überholter TRD Turbo 2 Motor mit nagelneuem Turbolader, Kopf und Einspritzpumpe kam dann dabei heraus, Leder musste dann auch noch, bis man feststellte, daß der Rahmen sich in
Luft und Rostbrösel aufgelöst hatte und eine Reparatur zu teuer wäre. Kurz zuvor hatte ich durch meinen CX meinen alten Herrn wiederum mit dem von ihm vererbten Virus infiziert und er legte sich einen 2400 GTI von 1978 zu, mit 69000 km in „Vert Papyrus“, was wiederum in mir den Futterneid weckte. Ich wollte auch wieder einen CX. Überzeugt ist ein infizierter Vater ja auch schnell. Es lief mir dann ein GTI Turbo zu, nicht billig, dafür aber sehr gut erhalten, aus Spanien importiert. Mit 
CX 2400 GTi · Baujahr 1978
CX 2400 GTi · Baujahr 1978
Klima, Leder, neuer Lackierung (leider weiß, wollte ich eigentlich nie), alles, wovon Gleichaltrige in ihren wesentlich teureren Golf Gti nur träumten. Ja, und die Leistung konnte sich auch sehen lassen. Die Optik und der Erhaltungszustand waren mir damals aber wichtiger. Nachdem dieser CX vor kurzem einen Lagerschaden hatte, welcher aufwendig und sehr teuer behoben wurde, steht er nun wieder zum Verkauf. Ich beschloss dann, dieses Auto nur im Sommer zu fahren, da es in diesem Zustand natürlich für deutsche, ordentlich gesalzene Straßen zu schade ist und sah mich nach einem anderen Auto um. Nach einem CX, versteht sich von selbst.
CX 25 GTi Turbo · Baujahr 1984
CX 25 GTi Turbo · Baujahr 1984
Zu dumm, daß mir dann, gerade auf der Suche nach einem Winterauto, ein super- gepflegter CX GTi Turbo Serie 1 über den
Weg lief und gleich einbehalten und aufgepeppelt wurde. Kurz vor Saisonende der beiden Turbos fiel es mir dann wieder ein: Wollte ich nicht ein Winterauto??? Ja, aber nur ganz was billiges. Ich fand einen CX 20 Pallas in „Gris Espadon“, der zuerst sogar ganz gut fuhr, mich dann aber in einem Schneesturm auf einer Autobahnbrücke im Stich ließ mit zwei defekten Zündkabeln und zwei kaputten Zündkerzen wegen falscher Vergasereinstellung. Ein Abenteuer waren Fahrten damit immer, bis sich inzwischen nach einem Jahr Reparaturen langsam Normalität einstellt
Ich meine, CX sind zuverlässig, aber wenn Vorvorvorbesitzer Milchtüten als Vergaserdichtung zuschneiden und sie mit Silikon einkleben, Unterdruckschläuche weglassen, Ölwannenschrauben nicht festziehen und Türverkleidungen einschäumen, dann kotzen selbst diese Autos und rächen sich. Nun gut, inzwischen sind dank Infektion vier solche Autos im Besitz, auch wenn einer wieder gehen muss. Krank ist es ja schon. Mal ehrlich: braucht man mit 21 Jahren 4 CX, wenn man nur einen Hintern zum Reinsetzen hat?Andererseits habe ich inzwischen keine Schraube am CX noch nicht gelöst und wieder festgedreht und so manches gelernt. Schließlich war ich stets zur Eigeninitiative gezwungen dank meines Portemonnaies. Andererseits, hätte ich mir als Fahranfänger einen neuen Xantia gekauft, ich hätte ihn wahrscheinlich heute noch nicht abbezahlt und sicher auch die eine oder andere Reparatur machen lassen müssen.
Ich bin so ganz gut gefahren und hoffe, es weiterhin tun zu können. Allzeit gute Fahrt mit dem CX (und gut Schraub)
!!!
(02/06)
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